Weniger Chemie in Outdoor-Bekleidung – eine Branche im Umbruch ?

Weniger Chemie in Outdoor-Bekleidung – eine Branche im Umbruch ?

 

Der Markt für Outdoor-Bekleidung legt seit Jahren ein beachtliches Wachstum hin. Dies liegt unter anderem daran, dass das frühere Wandern, Neudeutsch auch Hiking oder Trekking genannt, wieder salonfähig geworden ist. Wer also etwas auf sich hält und an der frischen Luft unterwegs ist, wird sich die entsprechende Outdoor-Bekleidung zulegen.

Die Regenjacke, wahlweise Hard- oder Softshelljacke genannt, sowie die Wanderhose (Trekkinghose) sollten möglichst wasserdicht, gleichzeitig atmungsaktiv sein und einen hohen Tragekomfort bieten. Dies sind aus Kundensicht die Minimum-Anforderungen an die richtige Outdoor-Ausrüstung.

Winddicht & AtmungsaktivLeider können diese, für eine optimale Wanderung zwingend notwendigen Funktionen, nicht immer ohne den Einsatz von Chemie erreicht werden, sodass die meisten Hersteller nach wie vor mit Fluorcarbonen (Perfluorierte Chemikalien = PFC) arbeiten. Mit Hilfe von PFC wird die Outdoor-Bekleidung imprägniert um sie wasser- und schmutzabweisende Eigenschaft zu machen. Der Nachteil dieser Chemikalien ist, dass diese einerseits kaum abbaubar sind und andererseits sogar unter Verdacht stehen Krebs zu erregen. Des Weiteren können sie laut Studien die menschliche Fortpflanzung und das Immunsystem schädigen sowie auf die Hormonproduktion von Säugetieren einwirken. Laut Greenpeace benötigt die Outdoor-Branche jährlich 11.000 Tonnen PFC für die Herstellung ihrer Produkte. In einer zwischen Juni und September 2012 durchgeführten Studie hat Greenpeace in jedem getesteten Outdoor-Kleidungsstück Spuren von PFC nachgewiesen. In einer aktuellen Studie von Dezember 2013 wurden erneut Jacken und Handschuhe getestet. Auch hier wiesen Wissenschaftler, abgesehen von einer Ausnahme, in allen Proben Spuren von PFC nach. Erfreulich ist, dass PFC weniger häufig eingesetzt wurden, was zeigt, dass sich die Hersteller kritisch mit diesem Thema auseinandersetzen und Alternativen suchen. Leider wurden andere Chemikalien eingesetzt, welche aufgrund Ihrer schlechteren wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaft in größeren Mengen in den Kleidungsstücken vorzufinden waren. Diese werden schneller an die Umwelt abgegeben, wo sie nicht abgebaut werden. Die Outdoor-Branche ist sich also der – durch die eingesetzten Chemikalien verursachten – Gefahren bewusst, aber eine echte Lösung scheint noch nicht in Sicht. Als kleines Zwischenfazit lässt sich festhalten, dass derzeit an PFC – anscheinend – noch kein Weg vorbei zu führen scheint.

 

Erste Vorreiter in Sachen chemiefreie Outdoor-Bekleidung

Allerdings muss man auch fairerweise erwähnen, dass sich seitdem viele Anbieter noch intensiver in der Produktion neuer Membranen, welche ohne PFC auskommen, versuchen.

VAUDE beispielsweise geht sehr offen und wie ich finde vorbildlich mit dem Thema um. In einer auf der Internetseite von VAUDE frei zugänglichen Stellungnahme wird bestätigt, dass Rückstände von PFC, wenn auch nur in geringeren Mengen, in manchen Outdoor-Bekleidungsstücken von VAUDE nachgewiesen werden können. Das Ziel von VAUDE ist es, spätestens 2020 alle Produkte ohne PFC herzustellen. Als Zwischenschritt wird ab 2014 die VAUDE-Bekleidung ohne PFOA, einer ebenfalls kritischen chemischen Substanz, hergestellt. Des Weiteren arbeitet VAUDE seit mehreren Jahren mit bluesign ® technologies zusammen. Das Gütesiegel bluesign ® technologies gilt als eines der strengsten Gütesiegel im Bereich des Verbraucher - und Umweltschutzes und gewährleistet somit, dass nur Materialien verwendet werden, die weder den Menschen, noch die Umwelt belasten.

Einer der wenigen Anbieter, welcher komplett auf PFC verzichtet, ist die in Kiel ansässige Firma Pyua. Deren Bekleidung besteht fast ausschließlich aus recycelten Materialien. Diese werden über die bekannten Altkleidercontainer gesammelt, per Handarbeit sortiert und in weiteren Produktionsschritten so aufbereitet, dass anschließend neue Produkte aus den gewonnenen Polyesterfasern hergestellt werden können. Da neue Polyesterfasern in der Regel aus Erdöl hergestellt werden und deren Herstellung einen hohen Energieverbrauch vorweist, leistet Pyua mit seiner alternativen Produktionsmethode einen hohen Beitrag zum Umweltschutz. Pyua bietet sogar eine Handy-App an. Mit dieser können Kunden alte Outdoor-Bekleidung, anstatt diese wegzuwerfen, in bestimmten Läden abgeben, welche die Kleidung zum Recycling an Pyua weiterleiten. Nicht umsonst hat Pyua drei Mal in Folge auf der Sportartikelmesse den „ECO Responsibility Award“ gewonnen und im November 2013 vom Bundesumweltministerium (BMU) und Umweltbundesamt (UBA) den Bundespreis „Ecodesign“ verliehen bekommen. Erfreulich ist, dass diese umweltbewusste Bekleidung nicht teurer, als die konventionelle Outdoor-Bekleidung ist.

P1020663Ein weiterer Anbieter welcher ebenfalls völlig auf PFC verzichtet ist PÁRAMO. Gemeinsam mit dem Schwesterunternehmen NIKWAX bietet das Unternehmen seit Ende 2013 seine Kollektion für den deutschen Markt ausschließlich über das Internet an. Nikwax ist der führende Hersteller für hochwertige Reinigungs- und Imprägniermittel welche ohne Treibgase und ohne Fluorcarbone hergestellt werden. Nikwax hat ein innovatives, direktionales Gewebe entwickelt, welches PÁRAMO für seine Produkte nutzt. Gemeinsam möchten beide dazu beitragen, dass andere Unternehmen ebenfalls ihre Produkte ohne PFC herstellen und das möglichst noch vor 2020.

Fjällräven verzichtet nach eigenen Angaben seit 2012 bei der Produktion auf fluorcarbonfreie Imprägniermittel und bis 2015 sollen dann auch die Ausrüstung und das Zubehör frei von PFC sein. Allerdings wurden in den Greenpeace-Proben in 2012 auch in einer der Fjällräven-Jacken Rückstände von Fluorchemikalien gefunden. Dies kann, laut Greenpeace, allerdings auch daran liegen, dass sich sogenannte Kontaminationen aufgrund der industriellen Fertigung nur schwer vermeiden lassen. Fjällräven weist auch fairerweise darauf hin, dass diese neuen umweltverträglichen Imprägniermittel nach jedem zweiten Waschgang nachimprägniert werden sollten, da fluorfreie Imprägnierungen noch nicht so lange halten wie altbewährte chemische Imprägnierungen.

 

Die gute Nachricht: Alle Outdoor-Ausrüster suchen nach Alternativen zu PFC

Vom kleinen Familienbetrieb bis hin zum internationalen Großkonzern haben die Ausrüster die Lage erkannt und wollen spätestens bis 2020 Membranen ohne den Zusatz von PFC herstellen. Die meisten Unternehmen wissen um die Gefahren der eingesetzten Chemikalien und versuchen daher seit längerem mit entsprechend fairen und ökologischen Produktionen gegenzusteuern. Viele der Unternehmen lassen sich Ihre Produkte zertifizieren und arbeiten mit weltweit renommierten Gütesiegeln zusammen. Die Rolle der Gütesiegel ist insbesondere für die Outdoor-Branche von wachsender Bedeutung. Daher wird das Thema Gütesiegel in einem eigenen Kapital ausführlich behandelt. Darüber hinaus sind einige Outdoor-Hersteller Mitglied in der „Fair Wear Foundation“. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie stetig zu verbessern. Die Mitglieder werden regelmäßig hinsichtlich der Einhaltung der Richtlinien überprüft.

 

Fazit:

Wenngleich der Weg hin zum chemiefreien Produkt noch ein steiniger ist, gehen die Hersteller von Outdoor-Bekleidung bereits in die richtige Richtung. Weniger Chemie, alternative Produktionsmethoden und soziales Engagement. Wünschenswert wäre, dass die Hersteller bereits vor 2020 auf PFC verzichten. Der Natur und den Kunden zuliebe!

Quellen:

www.umweltbundesamt.de

www.greenpeace.de

www.vaude.com

www.pyua.de

www.paramo-clothing.com

www.fjallraven.de

www.nikwax.de

www.fairwear.org

 

 

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