Westaustralien: Haie zum Abschuss freigegeben!

Westaustralien: Haie zum Abschuss freigegeben!

Sinnvolle Maßnahme oder übertriebene Angst?

Die Regierung in Westaustralien hat beschlossen, Haie, welche in eine definierte Zone eindringen und dort per Köder gefangen werden, zur Tötung freizugeben. Fischer mit der nötigen Lizenz können somit die Tiere ab einer Größe von drei Metern töten.

Seit Januar 2014 gibt es 72 Köderstellen, welche einen Kilometer vor den beliebtesten Küstenlinien angebracht werden. Hintergrund dieser Entscheidung sind die sechs tödlichen Hai-Attacken der letzten zwei Jahre. Somit gelten die beliebten Strandabschnitte Westaustraliens als tödlichste Surfzone weltweit.

Strand Cape Leveque West-Australien

Cape Leveque West-Australien – Keine Tötungszone!

Problematisch ist, dass auch der Weiße Hai, welcher vom Aussterben bedroht ist, zum Abschuss freigegeben wurde. Dies ist einerseits verständlich, da die Mehrzahl der tödlichen Hai-Angriffe nach wie vor auf das Konto des Weißen Haies geht. Andererseits gehen Experten bereits jetzt davon aus, dass der Weiße Hai ohne erhaltende Maßnahmen in den nächsten 20 Jahren aussterben wird. Aufgrund dieser Entscheidung könnte er also noch schneller aus den Weltmeeren verschwinden.

Es ist zudem fraglich, ob diese Hai-Tötungen tatsächlich das gewünschte Ergebnis erzielen werden. Die meisten Experten gehen davon aus, dass eine gezielte Tötung von Haien keineswegs garantiert, dass weitere Hai-Attacken zukünftig ausbleiben.  Die Köder könnten sogar weitere Haipopulationen anlocken und die Gefahr für Schwimmer, Taucher und Surfer weiter erhöhen.

 

Eingriff in das Ökosystem

Generell sind solche Eingriffe in das Ökosystem problematisch, da eine Fischart durch eine andere ersetzt werden könnte und somit das vorhandene Gleichgewicht erheblich gestört würde. Wenn also die Population des Weißen Haies in den Gewässern vor der Westaustralischen Küste stark dezimiert wird, könnte die Population anderer Haie stark anwachsen. Tigerhaie oder Hammerhaie gelten beispielsweise als weitaus aggressivere Hai-Arten und wenn sich deren Bestände stärker als andere Hai-Populationen erhöhen, könnte die Anzahl an Attacken sogar weiter ansteigen.

Ross Weir, der Gründer der „Western Australians for Shark“- Stiftung hat dem Premierminister das Feedback der weltweit bekanntesten Haiforscher übergeben, welches darlegt, dass die beschlossenen Maßnahmen voraussichtlich keinen Rückgang der Hai-Attacken zur Folge hätten.

Der Umweltminister Greg Hunt argumentiert dennoch weiterhin damit, dass die 8,5-Milliarden Dollar schwere westaustralische Tourismusindustrie von weiteren Haiangriffen stark belastet würde, sodass der Staat Maßnahmen ergreifen müsse. Es gibt allerdings auch politische Gegenstimmen, wie die von Senator Rachel Siewart welcher bemerkt, dass dies wohl kaum die Benchmark der Regierung in Sachen Naturschutz und Schutz von bedrohten Tierarten sein könne.

Tauchen am Great Barrier Reef

Tauchen am Great Barrier Reef

Aus eigener Erfahrung muss ich als Tauchanfänger gestehen, dass ich bei meinem ersten Tauchgang am Great Barrier Reef ebenfalls ein flaues Gefühl im Magen hatte und es mich einige Überwindung gekostet hat, tatsächlich ins Wasser zu steigen. Weniger aus Angst vor den Haien, als mehr vor der Ungewissheit über das, was mich im Wasser erwarten würde und die Erfordernis nur durch den Mund atmen zu dürfen. Als Wassersportler weiß man allerdings, dass man sich in diesen Gewässern bewusst in Gefahr bringt. Und für viele, sowohl Surfer, als auch Taucher, liegt in eben dieser Gefahr und der Möglichkeit einem Hai zu begegnen, der Reiz dieser Sportarten. Wie man anhand der zahlreichen Kommentare einheimischer Schwimmer, Taucher und Surfer nachlesen kann, sind daher die meisten gegen die gezielten Hai-Tötungen.

 

Fazit

Aus meiner Sicht sind die eingeleiteten Maßnahmen eine überzogene Reaktion der westaustralischen Regierung welche im schlimmsten Falle sogar vermehrte Hai-Attacken nach sich ziehen könnte.

 

 

Quellen:

http://www.smh.com.au/federal-politics/political-news/greg-hunt-grants-wa-exemption-for-shark-cull-plan-20140121-315zk.html

http://www.theguardian.com/environment/2014/jan/21/shark-cull-greg-hunt-exempts-wa

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/australiaandthepacific/australia/10507611/Australia-to-establish-shark-kill-zones-amid-fears-for-safety-of-beaches.html

http://www.perthnow.com.au/news/western-australia/large-sharks-in-beach-kill-zones-will-be-hunted/story-fnhocxo3-1226779869534

 

 

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2 Kommentare zu “Westaustralien: Haie zum Abschuss freigegeben!

  1. Nicole

    Hallo Pascal,

    ich beneide dich grad richtig darum, dass du schon am Great Barrier Reef tauchen warst. Das muss ein unbeschreibliches Erlebnis gewesen sein, Australien steht auf meiner Wunsch-Reiseliste ganz oben :)
    Nun zum eigentlichen Thema: Ich teile deine Meinung, dass diese Maßnahme ganz eindeutig übertrieben ist. Neulich habe ich gelesen, dass es vor Hawaii ein ähnliches Programm zur Tötung der Haie gab. Im Rahmen dessen wurden 4.500 Haie getötet, was dennoch nicht zu weniger Angriffen auf Menschen geführt hat. Wie du bereits richtig angemerkt hast, könnte der ganze Schuss auch nach hinten losgehen und durch die Köder weitere Haie angelockt werden.

  2. Ann-Bettina

    Hallo Pascal,
    ich halte das für eine ausgesprochen bescheuerte Idee. Durch die Köder werden die Haie doch erst richtig angelockt.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

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